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Dezember 2013 – Gesundheits- und Rentensystem

Deutschland gibt im Jahr etwa ein Viertel dessen, was erwirtschaftet wird, für Renten und die Gesundheitsversorgung aus. Die Tatsache, dass die Gesellschaft in Deutschland immer älter wird, aber auch die Finanzkrise haben zu einer Diskussion geführt, wie die Renten- und Gesundheitssysteme in Zukunft aussehen sollen. Dies ist eine wichtige Frage, die nicht nur die Gesellschaft und die Politik beschäftigt, sondern jeden Einzelnen ganz individuell betrifft:

  • Wie lange muss und soll man arbeiten?
  • Wie hoch soll die Rente sein?
  • Welche Leistungen des Arztes sollen die Krankenkassen bezahlen?
  • Wie sollen diese Ausgaben finanziert werden?

In der „Gesellschaft im Wandel“-Befragung im Januar 2013 ging es unter anderem um diese Fragen.

Kann man mit 67 noch Ihren Beruf ausüben?

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Die Meinung der Studienteilnehmer zur Erhöhung des Rentenalters hat uns im Anschluss noch genauer interessiert, da vor einigen Jahren beschlossen wurde, das Rentenalter auf 67 Jahre zu erhöhen. Wie die vorige Frage bereits gezeigt hat, findet eine weitere Erhöhung des Rentenalters keine Unterstützung. Eine große Mehrheit von 67% der Befragten lehnt sogar die bereits beschlossene Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre ab. Lediglich 18% der Befragten befürworten die Reform, 14% sind unentschlossen. Einer der Gründe, weshalb viele der Befragten eine Erhöhung des Rentenalters ablehnen, ist ihre Überzeugung, dass man mit 67 Jahren nicht mehr ausreichend den Anforderungen des eigenen Berufs gewachsen ist. Von den Gegnern dieser Reform sind 80% der Meinung, dass man mit 67 Jahren den eigenen Beruf nicht mehr gut ausüben kann. Von den Befürwortern dagegen ist die Mehrheit jedoch der Meinung, dass man mit 67 Jahren noch den eigenen Beruf verrichten kann.

Änderungsbedarf des Gesundheits- und Rentensystem

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Wir wollten zunächst wissen, ob die Teilnehmer der Studie eine Änderung des Renten- und des Gesundheitssystems überhaupt für nötig halten. Für beide Systeme ist eine Mehrheit der Befragten der Meinung, dass viele oder sehr viele Änderungen nötig sind. 64% der Befragten wollen viele oder sehr viele Änderungen im Rentensystem, während 53% Prozent einen hohen Änderungsbedarf im Gesundheitssystem sehen.

Ausgaben für Renten und das Gesundheitssystem

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Eine der möglichen Änderungen betrifft natürlich die Ausgaben. Wir wollten wissen, ob der Staat der Meinung der Studienteilnehmer nach mehr Geld als bisher für Renten bzw. für das Gesundheitssystem ausgeben sollte. Die Meinungen diesbezüglich gehen auseinander. Jeweils etwa die Hälfte der Befragten befürwortet höhere Ausgaben, die andere Hälfte möchte die Ausgaben jedoch auf dem aktuellen Stand halten oder senken. Allerdings hat eine Ausgabensteigerung für Renten eine knappe Mehrheit von 54%, während bei den Gesundheitsausgaben diese Mehrheit mit 48% knapp verfehlt wird.

Beliebteste Vorschläge zur Veränderung des Gesundheitssystems

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Eine Frage, die das Rentensystem und die Gesundheitsversorgung betrifft, ist ob mehr oder weniger Geld ausgegeben werden soll. Um Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht zu halten ist ein anderer Aspekt, woher das Geld kommen soll. Oder soll man bei den Leistungen, also Renten oder Gesundheitsleistungen, einsparen? Auch dazu wollten wir die Einschätzung der Befragten erfahren und haben sie gebeten, von einer Liste verschiedener Möglichkeiten diejenige auszuwählen, die sie am ehesten befürworten würden. Unter den Befragten unserer Studie ist die beliebteste Veränderung für das Gesundheitssystem die Vergütungen von Ärzten, Apotheken und der Pharmaindustrie zu kürzen, 45% der Teilnehmer haben diese Option angegeben. Alle Vorschläge, die die Bürger stärker belasten würden (wie z.B. eine Beitrags- oder eine Steuererhöhung) oder medizinische Leistungen einschränken würden, sind bei den Befragten eher unbeliebt. In der Summe unterstützen nur etwas mehr als ein Viertel der Befragten einen dieser Reformvorschläge. Wie kompliziert es ist, sich für einen überzeugenden Reformvorschlag zu entscheiden, zeigt die Tatsache, dass 25% der Befragten keinen dieser Änderungsvorschläge unterstützen würden.

Zusammenfassung

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Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Teilnehmer der Studie „Gesellschaft im Wandel“ das deutsche Gesundheits- und Rentensystem ändern würde. Ausgabensteigerungen im Gesundheitssystem sollen dabei durch eine Kürzung der Bezahlung von Ärzten, Apothekern und Pharmaindustrie bezahlt werden. Im Rentensystem sehen die Befragten sogar noch mehr Änderungsbedarf und befürworten mehrheitlich eine Ausgabensteigerung. Um die Ausgabensteigung zu finanzieren, sollen Rentenbeiträge erhöht werden. Eine Erhöhung des Rentenalters als Antwort auf den demografischen Wandel findet jedoch keine Mehrheit und ist sehr unbeliebt. Diese Ergebnisse zeigen recht deutlich, in welche Richtung sich Gesundheits- und Rentensystem in Zukunft entwickeln könnten.